Der Delfin-Zensus

Vorsichtig sucht sich ein kleines Boot in einen schmalen Nebenlauf des Amazonas seinen Weg. Rechts und links des Flussbetts ragen die dicht belaubten Wipfel der Bäume noch gerade so aus dem Wasser hervor. Es ist Überschwemmungszeit, mehr als fünf Meter hoch steht das Wasser über dem einstigen Waldboden. Eine Viertelstunde später erreicht das Boot eine riesige Lagune mit fast schwarzem Wasser. Es ist die Lagune Cocará auf der peruanischen Seite des Río Putumayo. Plötzlich springt ein rosafarbener Delfin aus dem Wasser, nur um Sekundenbruchteile wieder in der dunklen Brühe zu verschwinden.

Auf dem Kanu halten alle den Atem an. Es sind Biologen der Fundacíon Omacha, einer regierungsunabhängigen Naturschutzorganisation aus Kolumbien. Für solche Momente sind sie vor Wochen aufgebrochen vom Örtchen Puerto Leguízamo am Oberlauf des Río Putumayo. Das Ziel ihrer Expedition ist das Dreiländereck zwischen Brasilien, Kolumbien und Peru, eines der artenreichsten und ökologisch bedeutendsten Zonen innerhalb des Amazonasbeckens. Ihre Aufgabe ist es, die Flussdelfine aufzuspüren, die Größe und Stabilität ihrer Population abzuschätzen und den Zustand ihres Lebensraums zu erkunden.

Die Delfinzählung – ein grenzübergreifendes Projekt

Die Delfine gelten als Bioindikator. Wo sie vorkommen, sind die Bedingungen auch für andere Tier- und Pflanzenarten in Ordnung. Verschlechtert sich zum Beispiel die Wasserqualität, sind die Delfine die ersten die verschwinden. Seit vier Jahren haben diese Wissenschaftler bereits mehr als 4.200 Kilometer auf den 12 größten Flüssen Südamerikas zurückgelegt, um den Flussdelfinen auf die Spur zu kommen. Mehr als 4.000 mal haben sie dabei die Delfine der drei Unterarten zu Gesicht bekommen, die in den Flusssystemen des Amazonas und des Orinocos vorkommen: den grauen Flussdelfin (Sotalia fluviatilis) und die beiden rosafarbenen Spezies Inia geoffrensis e Inia boliviensis, letzterer kommt nur in bolivianischen Gewässern vor.

Anhand der während aller elf Expeditionen gemachten Beobachtungen schätzt man, dass ca. 40.000 Flussdelfine in der Region leben. Das deutet zwar auf eine gesunde und stabile Population hin. Dennoch ist das langfristige Überleben der Delfine fraglicher denn je. Die Abholzung bis unmittelbar an die Flussufer, die zunehmende Kontaminierung des Wasser mit Schwermetallen – vor allem Quecksilber – durch Bergbau- und Minenbetriebe, die Überfischung, die Jagd auf Delfine und zahlreiche Infrastrukturprojekte entlang der Wasserläufe sind die Hauptursachen für diese bedrohliche Situation.

Aber es gab keine verlässlichen Zahlen, mit denen Wissenschaftler und Naturschutz-Organisationen dies hätten belegen können. Deshalb beschloss man, die wichtigsten Flüsse in Kolumbien, Venezuela, Bolivien, Peru, Ecuador und Westbrasilien abzufahren und verlässliches Material zu beschaffen und eine Strategie zu entwickeln, wie diese Arten langfristig geschützt werden können. Unterstützt wurde das Mammutprojekt unter anderem vom multinationalen World Wide Fund of Nature (WWF). Alle elf Expeditionen und deren Auswertung wurden von Fernando Trujillo geleitet. Hinter dem Zählen der Tiere steckt Methode. Nur so kann die Beobachtungen für ein aussagekräftiges Ergebnis auf den gesamten Projektraum extrapolieren.

Flussdelfine als Galionsfigur für Umwelt- und Naturschutz

Die Hoffnung der beteiligten Biologen und Wissenschaftler, den Delfin als Sympathieträger und Symbolfigur für die Belange des Umwelt- und Naturschutz in der Region zu etablieren, hat sich erfüllt. Heute gibt es bereits einen Aktionsplan zum Schutz dieser Art für ganz Südamerika, Länder wie Bolivien und Kolumbien beginnen in Kürze, die ersten Maßnahmen daraus bereits durchzuführen.

Mittlerweile gibt es – unterstützt von den Regierungen der betroffenen Länder – ein Netz von gut 80 Forschungsstationen zur besseren Erforschung der Lebensräume, in den Siedlungen entlang der Flüsse werden umweltverträgliche Fischereimethoden gelehrt. Auch bei Infrastrukturprojekten und der wirtschaftlichen Entwicklung sollen die Belange des Umwelt- und Naturschutzes künftig stärker berücksichtigt werden. Die derzeit größte Bedrohung für die Delfine hat man aber bisher noch nicht in den Griff bekommen können. Denn noch immer werden die Säuger gejagt, um ihr Fleisch als Köder bei der Fischerei einzusetzen. Diesem Problem wird daher in der Agenda zum Schutz der Delfine ganz besonders viel Raum eingeräumt werden müssen.

Quelle: WWF Colombia

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Poesiefestival: Latinale 2010 – Kleine Unfälle inbegriffen

Bereits zum fünften Mal startet am kommenden Samstagpräsentieren die Latinale-Karawane. Junge lateinamerikanische DichterInnen aus acht Nationen präsentieren ihre kraftvolle Poesie gleich in einer ganzen Reihe von Lesungen, Performances, Gesprächen und Konzerten zwischen dem 6. und 12. November in Berlin.

Tourte man in den letzten vier Jahren noch quer durch Deutschland, sind diesmal alle Veranstaltungen in der Hauptstadt. Mobil bleibt die Latinale trotzdem: das Festival macht Stationen an verschiedenen Orten, z.B. dem Instituto Cervantes, dem Ibero-Amerikanischen Institut oder im Kunstcafé Alice Gryphius. Dort werden 14 hochtalentierte DichterInnen aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Guatemala, Mexiko, Peru und Uruguay ihre Werke vorstellen und einen tiefen Einblick in die spannende und vielschichtige Lyrikszene Mittel- und Südamerikas geben – kleine Unfälle und das Ende des Imperiums inbegriffen. Gespannt sein darf man dabei u.a. auf die hochgelobte chilenische Autorin Lina Meruane, die Gedichte aus ihrem preisgekrönten Roman “Fruta Podrida” vortragen wird.

Aber nicht nur durch die Stimme kann Poesie sich frei entfalten, auch durch Musik, Tanz und Theater oder einer kunstvollen Kombination dieser Künste lassen sich die Bilder der Sprache projizieren und in ihrer Größe und Wirkung vervielfachen – die in Frankreich lebende Peruanerin Milagros Salcedo wird das in ihrer Performance „Soundtracks und andere Beschwörungswege“ eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Erstmalig findet im Rahmen der Latinale auch ein Konzert statt – ein Rap-Konzert natürlich muss es bei diesem wortgewaltigen Festival sein. Aber ein außergewöhnliches: Der Guatemalteke Lucio Yaxon überwindet mit seiner Sprechmusik Barrieren – sprachliche – er rappt im indigenen Maya-Kakchiquel und in Spanisch – wie politische und soziale: die Texte zu seinen harten Beats erzählen vom Leiden im Bürgerkrieg und der nie verblühenden Hoffnung auf ein besseres Leben.

Wie intensiv die unterschiedlichsten Formen der Poesie die Menschen vom Rio Grande bis nach Feuerland bewegt, kann man bei den Präsentationen lateinamerikanischer Literaturzeitschriften feststellen, die ebenfalls Bestandteil des Festivals sein werden. Fast schon traditionell rundet ein Übersetzungsworkshop an der Freien Universität das Programm der Jubiläums-Latinale ab.

Die einzelnen Veranstaltungstermine entnehmen Sie bitte dem Alavia-Kulturkalender aufgeführt, hier nur eine Übersicht über einige der Highlights:

  • 8. November, 20:00 Uhr im Frosch-König: Jam-Poetry. Poetische Jam-Session. Gedichte auf Spanisch und Deutsch. Die Moderation natürlich in Spandeutsch.
  • 9. November, 19:00 Uhr im Ibero-Amerikansichen Institut: Blogger & Dichter – inside and outside: super-demokratische Netze? Strategien für eine neue kulturelle Öffentlichkeit.
  • 10. November, 19:30 Uhr im Kulturcafé Alice gruphius: Metropolpoesie – Stadtautobahn-Süd.
  • 11. November, 19:00 Uhr im Instituto Cervantes Berlin: Soundtracks und andere Beschwörungswege – Performance mit Lesung bzw. umgekehrt.
  • 12. November, 19:00 Uhr im Instituto Cervantes Berlin: Kleine Unfälle – Das Ende des Imperiums, Lesung und Konzert.
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1200 neue Arten im Amazonas entdeckt

Im Amazonas-Gebiet wurden über 1200 neue Wirbeltier- und Pflanzenarten entdeckt. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller WWF-Bericht, der am Dienstag auf der Artenschutzkonferenz im japanischen Nagoya vorgestellt wird.

Er fasst Forschungsergebnisse von zehn Jahren zusammen. Im Zeitraum von 1999 bis 2009 wurden demnach 637 neue Pflanzen, 257 Fische, 216 Amphibien, 55 Reptilien, 16 Vögel und 39 Säugetiere entdeckt. Zu den neu entdeckten Arten gehören unter anderem ein äußerst ungewöhnlich gefärbter Frosch mit flammenfarbenem Kopf (wissenschaftliche Bezeichnung: Ranitomeya amazonica), eine neue Flussdelphinart (Inia boliviensis), die erste neu beschriebene Anaconda-Art seit 1936 (Eunectes beniensis), und ein glatzköpfiger aber äußerst bunter Papagei (Pionopsitta aurantiocephala).

„Das entspricht im Schnitt einer neu entdeckten Art alle drei Tage“, so Roberto Maldonado, Amazonas-Experte beim WWF Deutschland. „Das ist einerseits faszinierend, weil es zeigt, wie viel unerforschtes Leben im Amazonas vorhanden ist; andererseits aber auch alarmierend, weil viele weitere unentdeckte Arten auszusterben drohen, bevor sie entdeckt werden“.

Der acht Staaten und Französisch Guyana umfassende Amazonas ist das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde. In den letzten 50 Jahren wurden rund 17 Prozent seiner einstigen Fläche zerstört, ein Gebiet doppelt so groß wie Spanien. Hauptgründe für die Zerstörung des Amazonas ist die globale Nachfrage nach Fleisch, Soja und Biokraftstoff. Schätzungsweise 80 Prozent der im Amazonas gerodeten Waldflächen werden für die Rinderzucht genutzt. Darüber hinaus ist der Amazonas mit bis zu 140 Milliarden Tonnen Kohlenstoff einer der größten Kohlenstoffspeicher der Erde und unverzichtbarer Stabilisator des Weltklimas.

“Der Bericht zeigt, wie wichtig der Schutz des Amazonas ist”; so Roberto Maldonado. „Und er macht deutlich, dass wir noch viel mehr zu verlieren haben, als sich in Zahlen und Fakten darstellen lässt. Das Schicksal der bekannten und unbekannten Arten hängt davon ab, ob die Länder des Amazonas gemeinsam ihre Schutzanstrengungen verstärken. Die Unterstützung der großen Industrienationen einschließlich eines verantwortungsvolleren Konsumverhaltens ist dabei unerlässlich“.

Der WWF arbeitet seit 1971 auf den unterschiedlichsten Ebenen zum Schutz der Amazonas-Regenwälder. Herzstück seiner Arbeit ist die „Initiative lebendiger Amazonas“, in deren Rahmen der WWF Lösungen für ökologische, soziale und wirtschaftliche Probleme entwickelt. Der WWF fordert die Verhandlungspartner auf der Artenschutzkonvention in Japan unter anderem dazu auf, konkrete und Länder übergreifende Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt im Amazonas zu verabschieden. Dazu gehört vor allem die Ausweisung und Finanzierung neuer Schutzgebiete, eine Übereinkunft über den vollständigen Entwaldungsstopp bis zum Jahr 2020 und eine gerechte Verteilung der Einnahmen durch die Nutzung genetischer Ressourcen.

Quelle: WWF

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Amazonas macht seine Wolken selbst

Forscher weisen nach, dass Aerosole über dem Amazonas-Regenwald hauptsächlich aus biologischen Quellen stammen und schließen auf die Funktionsweise des Ökosystems

Der Wald im Amazonas macht seinen Regen selbst. Aerosolpartikel, an denen sich in der Atmosphäre Wolken und Niederschlag bilden, bestehen dort zur Regenzeit hauptsächlich aus organischen Substanzen. Und die setzt der Wald selbst frei. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz nachgewiesen und können dadurch auf die Funktionsweise des Ökosystems schließen: Der hohe Gehalt organischer Substanzen weist darauf hin, dass das Amazonas-Gebiet während der Regenzeit einen weitgehend geschlossenen Bioreaktor darstellt. Die Ergebnisse könnten in Zukunft auch helfen, genauere Klimamodelle aufzustellen. Mit ihrer Hilfe lässt sich nämlich analysieren, wie der Mensch die Wolken- und Niederschlagsbildung beeinflusst.

Fast nirgendwo auf der Welt ist die Luft so sauber wie über dem Amazonas. Daher studieren Klimaforscher dort, wie Wolken auf natürliche Weise entstehen. In künftigen Analysen darüber, wie der Mensch die Bildung von Wolken und Niederschlag beeinflusst, können ihnen diese Ergebnisse als Referenzpunkt dienen. Forscher vom Max-Planck-Institut für Chemie haben dazu nun einen Beitrag geleistet. In Kooperation mit internationalen Partnern haben sie erstmals während der Regenzeit die chemischen Bestandteile von Aerosolen, winzigen Schwebteilchen in Luft, über dem Amazonas-Regenwald mittels Elektronenmikroskopie und Massenspektrometrie genau charakterisiert.

Submikron-Partikel, die im Durchmesser kleiner als ein Tausendstel Millimeter sind und als Kondensationskerne für Wolkentropfen dienen, bestehen zu etwa 85 Prozent aus sekundären organischen Aerosolkomponenten. Diese entstehen aus leichtflüchtigen organischen Substanzen, die das Wald-Ökosystem freisetzt und die in der Atmosphäre durch fotochemische Reaktionen in schwerflüchtige Substanzen umgewandelt werden und kondensieren. Das restliche Zehntel der Submikron-Partikel besteht zumeist aus Salzen, Mineralien und Rußpartikeln, die vom Atlantik und aus Afrika herbeigeweht werden.

Geschlossener Aerosol- und Wasserkreislauf über dem Amazonas-Regenwald

Supermikron-Partikel mit Durchmessern von mehr als einem Mikrometer bestehen zu über 80 Prozent aus primären biologischen Aerosolkomponenten wie Pilzsporen, Pollen und Pflanzenfragmenten, die aus dem Regenwald nach oben gewirbelt werden. Sie dienen als Eiskerne und spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Niederschlag.

Dass die Aerosole über dem Amazonas-Regenwald fast nur biogenen Ursprungs sind, verrät den Forschern einiges über das Ökosystem. “Den brasilianischen Regenwald kann man sich zur Regenzeit als einen Bioreaktor vorstellen”, sagt Ulrich Pöschl, der maßgeblich an den Untersuchungen beteiligt war. An den Aerosolen, die bis in 18 Kilometer Höhe getragen werden, kondensiert Wasserdampf, der ebenfalls aus dem Wald aufsteigt. In den daraus gebildeten Wolken wachsen Wassertropfen und Eiskristalle solange an, bis sie als Niederschlag wieder zur Erde fallen. Ein Teil des Niederschlags verdunstet, der Rest wässert die Flora. Während die Pflanzen wachsen, geben sie wiederum organisches Material in die Atmosphäre ab, an dem dann neue Wolken wachsen.

Über dem Amazonas limitiert die Menge der Aerosole die Wolkenbildung

Die Erkenntnisse über den natürlichen Prozess der Wolkenbildung liefern den Forschern Informationen, wie sich die menschlich beeinflusste Wolkenbildung davon unterscheidet: “Was wir jetzt schon sagen können ist, dass die Wolkentropfenzahl über dem Amazonas-Regenwald Aerosol-limitiert ist, also von der Menge der Aerosole abhängt, die das Ökosystem freisetzt”, sagt Ulrich Pöschl. In dicht besiedelten Gebieten und außerhalb der Regenzeit im Amazonas, wenn Abgase aus Verkehr, Industrie und Brandrodung die Luft mit Aerosolen überfüttern, kommt es hingegen eher darauf an, wie schnell der Aufwind die Partikel in die Höhe transportiert.

In den nächsten Jahren wollen die Wissenschaftler die Atmosphäre über dem Amazonas-Regenwald weiter untersuchen. Zu diesem Zweck bauen sie zurzeit einen 300 Meter hohen Messturm in der Nähe von Manaus, Brasilien, wo bereits die aktuellen Untersuchungen stattgefunden haben. “Dort wollen wir weitere langfristige und umfassende Messungen durchführen”, sagt Ulrich Pöschl. Neben den Aerosolen wollen die Forscher dann auch den Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf genauer analysieren. “Je besser wir nämlich das natürliche Ökosystem des Regenwalds verstehen, desto zuverlässiger können wir den Einfluss des Menschen auf das Klima beschreiben.”

(Quelle: Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz)

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Auf deutsche Spuren …

… stößt man im brasilianischen Städtchen Nova Petrópolis allerorten. Der 1858 gegründete Ort im südlichen Bundesstaat Rio Grande dol Sul war Ziel von Einwanderer aus Pommern, Sachsen, Böhmen und dem Hunsrück. Besonders der fast im Stadtzentrum gelegene “Einwandererpark“ (Parque do Imigrante) lässt die alte Zeit wieder aufleben.

Viele historische Häuser aus den umliegenden deutschen Siedlungen wurden in dem zehn Hektar großen Park wiederaufgebaut. Schmiede, Kantine, Schule, Kapelle, Ballhaus und natürlich der obligatorische Biergarten erinnern an deutsche Landen und versetzen die Besucher in das Ambiente des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Typisch für jene Zeit ist die Fachwerkarchitektur, besonders eindrucksvoll sichtbar in der Kapelle und dem recht eigenwilligen Gebäude der Land-Kreditgenossenschaft “Caixa Rural“. Die Kapelle, aus dem Dorf „Linha Araripe“ hierher versetzt, ist die einzige Fachwerkkirche Brasiliens. Die „Caixa Rural“ ist eine naturgetreue Nachbildung des Gebäudes und der Einrichtungen der von Pater Amsted im Jahre 1902 gegründeten Kredtigenossenschaft, der ersten ihrer Art in ganz Lateinamerika. Zwei Dorfweiher mit Dutzenden Enten und Gänsen vervollständigen die dörfliche Atmosphäre, ergänzt um Haine mit hundertjährigen Pinienbäume und Resten des ursprünglichen Urwalds. Hier lassen sich zahlreiche Vögel und Schmetterlinge beobachten.

Der Einwandererpark ist heute ein im wahrsten Sinne des Wortes lebendiges kulturelles Kleinod: hier finden die wichtigen Feste der in der Region heimischen Menschen mit deutschen Wurzeln statt. Neben der Sommermesse (samstags und sonntags im Januar und Februar) und dem Folklorefestival an den Juli-Wochendenden wird hier im Mai sogar zu einer Strickwarenmesse geladen.

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BLACK BOX ECUADOR Installation

Vernissage am 24. September 2010 um 18 Uhr
25. September – 22. Oktober 2010
Schlossplatz Berlin-Mitte
täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt frei

Mitten auf dem Berliner Schlossplatz, am künftigen Ort des Humboldtforums, sind vier schwarze Boxen aufgebaut: die Kunstinstallation BLACK BOX ECUADOR! Die großen Boxen stehen auf der Spitze, auf der Kante oder auf dem Boden, so, als hätte man versucht, durch Schütteln und Umwerfen das Innere zu erkunden und nach Außen zu bringen – lose und gleichzeitig dynamisch angeordnet, gewähren sie Einblicke in die Welt Afro-Ecuadors. Es gibt kaum einen passenderen Ort in Berlin für dieses Kunstprojekt von Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey aus Anlass des 200. Jahrestages der Unabhängigkeit Lateinamerikas.

Sinnlich, künstlerisch und gleichzeitig historisch fundiert erzählen die großen schwarzen Boxen vom
Chota-Tal, einer der ärmsten Regionen Ecuadors. Film, Fotokunst und Audioinstallationen erwarten
den Besucher bei Betreten der Boxen. Kein rein wissenschaftlich-informatives Projekt soll hier geboten werden, sondern eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Fragen nach Sklaverei, ihrer Geschichte und dem, was das mit uns in Europa heute zu tun hat. Umso mehr, weil die Beschäftigung mit dem Chota-Tal zur Auseinandersetzung mit kolonialer Vergangenheit, europäischem Herrschaftsdiskurs und eurozentristischer Weltdeutung wird. Ganz im Sinne Alexander von Humboldts, den eine seiner wichtigsten Reisen nach Ecuador führte. Geografisch weit entfernt und vollkommen unbekannt, ist das Chota-Tal doch eng mit der europäischen Geschichte verquickt.

Die BLACK BOX 1 erlaubt dem Besucher erste Einblicke in die Geschichte der Sklaverei in Ecuador.
Sichtschlitze lassen Zeichnungen erkennen. Ausschnitte eines Essays zur Sklaverei von Alexander von Humboldt sind zu hören.

Die begehbare BLACK BOX 2 nimmt den Faden der Geschichte auf und schlägt mit Fotos und Filmen den Bogen von frühen Aufständen hin zu heutigen politischen Bewegungen und zum gegenwärtigen Alltag im Chota-Tal.

Eine kurios scheinende Mischung aus afrikanischen und lateinamerikanischen Klängen hört man in
der BLACK BOX 3: La Bomba und Banda Mocha. Auf Instrumenten gespielt, die aus Kürbissen, Agaven und anderen heimischen Pflanzen gemacht werden, und getanzt mit einer Flasche auf dem Kopf, ist diese Musik selbstbewusster Ausdruck der afro-ecuadorianischen Identität.

Die BLACK BOX 4, auf der Kante balancierend, widmet sich den afro-ecuadorianischen Fußballgöttern. Die Afro-Ecuadorianer, mit nur 10% Bevölkerungsanteil, stellen die meisten Spieler der Nationalmannschaft des Landes.

Konzipiert und kuratiert von Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey, büro für kulturelle angelegenheiten. Künstler: Edizon León Castro und Jorge Vinueza García (Fotografen), Jorge Luis Narváez und Rodolfo Muñoz (Filmemacher), Wissenschaftliche Mitarbeit: Rocío Vera Santos

Die Installation BLACK BOX ECUADOR wird im Rahmen des Schwerpunktes „America Latina“ der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb gefördert. Kooperationspartner sind die Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, die Botschaft der Republik Ecuador und das Ibero-Amerikanische Institut, Berlin, sowie das Centro Cultural Afroecuatoriano (Quito).

(Quelle: sauerbrey | raabe, büro für kulturelle angelegenheiten)

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Hin und her – Festival des neuen kolumbianischen Films

Kolumbien verfügt über einen enormen kulturellen Reichtum, dessen Vielseitigkeit in Malerei, Literatur, Musik und nicht zuletzt im Film zum Ausdruck kommt. Im Rahmen der ExpoKolumbien 2009 findet in Berlin ein Festival des modernen kolumbianischen Films statt.

Vom heutigen Sonntag (29.10.) wird im Babylon-Kino in Berlin-Mitte (Rosenthaler Straße 30) eine Woche lang jeden Abend ein anderer Streifen aus dem südamerikanischen Land gezeigt. Alle Filme werden in der spanischsprachigen Originalfassung mit englischen Untertiteln gezeigt. Der Eintritt zu allen Vorstellungen ist frei. Das Programm der Filmreihe im einzelnen:

  • Sonntag, 25.10., 17.00 Uhr: “Los Viajes del Viento”, Regie: Ciro Guerra. KOL / D 2009, 110 Min.
  • Montag, 26.10., 20.00 Uhr: “Cóndores no Entierran Todos los Días”, Regie: Francisco Norden. KOL 1984, 90 Min.
  • Dienstag, 27.10., 20.00 Uhr: “Los Niños Invisibles”. Regie: Lisandro Duque. KOL 2001, 90 Min.
  • Mittwoch, 28.10., 20.00 Uhr: “Riverside”. Regie: Harold Trompetero. KOL 2009, 92 Min.
  • Donnerstag, 29.10., 20.00 Uhr: “Noche Buena”. Regie: Camila Loboguerrero. KOL 2008, 90 Min.
  • Freitag, 30.10., 20.00 Uhr: “Yo soy otro”. Regie: Oscar Campo. KOL 2008, 90 Min.
  • Samstag, 31.10., 20.00 Uhr: “Satanás”. Regie: Andy Baiz. KOL 2007, 95 Min.
  • Sonntag, 01.11., 18.00 Uhr: “Satanás”. Regie: Andy Baiz. KOL 2007, 95 Min.
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Havanna im Spiegel

1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto New York, um in Havanna an der Staatlichen Ballettschule zu lehren. Über Ihre Erinnerungen aus einer Zeit, in der Fidel Castros Sozialismus die Welt bewegte und Tänzer und Revolutionäre dieselbe Welt bevölkerten, spricht sie heute mit Gerd Koenen im Instituto Cervantas in Frankfurt.

Alma Guillermoprieto wurde 1949 in Mexiko geboren und wuchs in den USA auf. Seit über zwanzig Jahren berichtet die Autorin und Journalistin für die britische und US-amerikanische Presse aus Lateinamerika. Längst gilt sie als eine Autorität auf dem Gebiet der politischen Reportage.

Guillermoprietos Gesprächspartner heute Abend ist der Frankfurter Autor Dr. Gerd Koenen, dessen neuestes Buch “Traumpfade der Weltrevoultion – Das Guevara-Projekt” de Geschichte der kubanischen Revolution und ihrer Ikonen nachzeichnet. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr im Instituto Cervantes, Staufenstraße 1, 60323 Frankfurt, der Eintritt kostet 4,00 Euro (ermäßigt) – 5,00 Euro.

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Peruanische Leckereien

Perus Küche gilt als besonders lecker und variantenreich. Jetzt ist endlich auch ein deutschsprachiges Kochbuch, mit der sich diese kulinarischen Köstlichkeiten auch am heimischen Herd problemlos nachkochen lassen.

Es gibt wenige Küchen, die so facettenreich und schmackhaft sind wie die perunische. Unter den Topfdeckeln Perus vereinigen sich unterschiedlichste Traditionen und Aromen: Basis ist sicherlich noch heute die ursprünglichen Küche der Inkas, die sich während der Kolonialzeit mit den kulinarischen Elementen der spanischen und portugiesischen Küche verbunden hat. Afrikanische Sklaven und Einwanderer aus aller Herren Länder fügten Nuancen und Rezepte hinzu – und so verfügt Peru heute sicherlich über die vielfältigste Küche Lateinamerikas.

Wer bisher peruanische Gerichte nachkommen wollte, war auf nicht leicht erhältliche, in Spanisch oder Englisch geschriebene Kochbücher angewiesen. Die in Peru geborene Autorin und leidenschaftliche Köchin Heidi Schade hat zusammen mit dem Fotografen José Luis Bellina nun mit “Klassische & Moderne Rezepte aus Peru” (Verlag Gebrüder Kronmayer) ein deutschsprachiges Kochbuch veröffentlicht, mit der die peruanische Kochkunst nun auch Einzug in so manche deutsche Küche halten dürfte. Die Rezeptsammlung gibt einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Regionalküchenperus. Die mehr als 200 Rezepte von der Pazifikküste, der Sierra und aus Amazonien sind üppig bebildert und mit vielen wissenswerten Informationen angereichert. Liebhaber der peruanischen Küche können sich so selbst mit Leckereien wie „Cebiche de Camarones“ oder „Pisco Sour“ verwöhnen.

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TV-Brücke nach Lateinamerika

Die Deutsche Welle (DW) will mit einem Ausbau ihres spanischsprachigen Programms die mediale Brücke zwischen Deutschland und Lateinamerika verstärken. Vor allem in Mexiko will sich Deutschlands Auslandsrundfunkt verstärkt engagieren.

Verschiedene Gemeinschaftsproduktionen mit mexikanischen Partnern kündigte DW-Intendant Erik Bettermann in Guadalajara (Mexiko) in einer gemeinsamen Talkshow des deutschen Auslandsfernsehens DW-TV mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Sistema Jalisciense de Radio y Televisión (SJRTV)an. Das Programm wird heute (Donnerstag, 27.08.2009) über DW-TV Latinoamérica ausgestrahlt.

In der Sendung diskutieren Bettermann, der Direktor der Zeitung “Público-Milenio” aus Guadalajara, Diego Petersen Farah, und die Kulturjournalistin Yolanda Zamora Puente über Rolle und Herausforderungen des Journalismus im 21. Jahrhundert. Die Gesprächsrunde aus dem geschichtsträchtigen Instituto Cultural Cabañas in Guadalajara wird von Samuel Muñoz (SJRTV) und Gonzalo E. Cáceres (DW-TV) moderiert.

World Wide Web und Infotainment hätten die Mediennutzung weltweit “radikal verändert”, sagte Bettermann in der Sendung. Mit dem rasant wachsenden Informationsangebot nehme auch das Ringen um Aufmerksamkeit zu. “Öffentlich-rechtliche Medien müssen sich als ‘trusted guide’ in den unübersichtlichen Angeboten profilieren.” Das duale System von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und privaten Medien habe sich in Deutschland als ein tragender Pfeiler der Demokratie bewährt, so der DW-Intendant.

In Mexiko wird zurzeit die Neuordnung des Mediensystems heftig diskutiert. Private Sender in der Hand zweier Medienkonzerne dominieren die TV-Landschaft. Dies stößt in Politik und Gesellschaft zunehmend auf Kritik. Gleichzeitig suchen die öffentlichen Sender nach Modernisierung, größerer Unabhängigkeit von staatlichen Einflüssen und internationaler Einbindung.

Vor diesem Hintergrund intensiviert die Deutsche Welle ihre Zusammenarbeit mit mexikanischen Medien. Intendant Bettermann unterzeichnete am 24. August 2009 eine Absichtserklärung mit dem mexikanischen Bildungskanal DGTVE, die eine ausgedehnte Programmkooperation ermöglicht. Über das Netzwerk EDUSAT des Senders werden künftig spanischsprachige Sendungen von DW-TV ausgestrahlt, die über vier Millionen Schüler in 33.000 Schulen und Kulturzentren erreichen. Bereits vor einigen Monaten produzierte DW-TV mit Canal Judicial, einem Sender des Obersten Gerichtshofs, eine gemeinsame Sendung über Korruptionsbekämpfung. Der mexikanische Sender übernimmt seit 2008 das spanische Programm von DW-TV.

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